Lohnt ein Job als Promoter auf Mallorca?

Arbeiten als Promoter – dort wo andere Urlaub machen, Leute ansprechen, Tickets verkaufen und dabei das Strandfeeling von Mallorca genießen?  Die meisten finden diese Aussichten nicht schlecht und in den Stellenanzeigen liest sich das immer sehr aufregend. Doch wie sieht die ungeschminkte Wahrheit aus?

Wir haben einen Studenten gefragt , der eine Session als Ticketverkäufer auf Mallorca gearbeitet hat:

Tom war im Sommer 2016 in Cala Ratjada (kleines Party-Örtchen im Nordosten von Mallorca) am Strand als Promoter beschäftigt (vom größten Anbieter dort wie er uns erzählt).

Promoter arbeiten prinzipiell illegal, erzählt uns Tom. Wäre es ein normaler Job, bekäme man einen Arbeitsvertrag vorab zum Durchlesen. „Das machen wir alles vor Ort. Du wirst auf deine NIE-Nummer angemeldet.“ Dies passierte aber nicht und auf Nachfrage gab es auch keinen Vertrag. Also absolut schwarz!  Dubios waren auch die Kennenlern-Gespräche, denn der Promotion-Chef von dort bestand darauf, über WhatsApp zu telefonieren. Tom erzählt weiter: Der „Big Boss“ hat auch die Polizei geschmiert. Er hat sich beschwert, wenn wir der Polizei nicht verraten, für wen wir arbeiten, denn: „Die Polizei, das sind meine Freunde!!“ Es gibt einen gefakten Strafzettel ohne Bußgeld und ein wenig Auszeit, dann geht es normal weiter.

Es sind eigentlich Sklavenverträge, an denen sich der Chef eine goldene Nase verdient! Warum denkst du das fragen wir Tom? Tom: Wir mussten fast 60 Std  in der Woche arbeiten. Um  9 Uhr in der Früh haben wir  mit Arbeit begonnen und hatten um 16 Uhr Feierabend  (das heißt in der Hitze am Strand rumlaufen).  Vorher gab es ein Gespräch in einem Strandcafé wo man uns deutlich sagte, dass wir eine bestimmte Zahl  an Tickets verkaufen mussten. Falls das nicht der Fall sein sollte, würde man uns den Lohn für den Tag einfach streichen.

Von 19 bis 22 Uhr sollten wir die Promenaden ablaufen oder an einer bestimmten Kreuzung stehen. Der Chef fuhr ab und zu vorbei und hat geschaut, ob alle am Arbeiten sind. Die Pause von 16-19 Uhr ist auch nicht sehr lohnend, denn da muss man nach Hause, duschen, essen, umkleiden usw. Wirklich Zeit  Dinge zu unternehmen bleibt da nicht. Außerdem ist man müde vom permanenten Gehen in der Hitze. Es ist ein hart umkämpftes Feld: Cala Ratjada hat nicht viele Strände: Einen kleinen (Cala Moll) und einen größeren (Cala Aguila). Man ist am Strand die Konkurrenz seines eigenen Teams. Ich wurde etwa mit fünf anderen Leuten auf einen Strand geschickt, wo angeblich sehr viel los ist. Dem war aber leider nicht so. In der Regel stehen dann auch noch die eigenen Leute am Eingang vom Strand. Ich habe Touristen angesprochen, die bereits vom eigenen Team angesprochen wurden. Dazu kommen dann aber noch andere Teams mit Leuten, die andere Sachen promoten.

Die Bezahlung ist nur auf Provision erzählt Tom weiter: 7€ für eine Segel-Katamaran-Fahrt, die über 50€ kostet, Trips zum Ballermann, und All you can Drink Saufpartys in den lokalen Clubs. Also teure Späße. Verkauft man nichts, bekommt man nichts gezahlt. Viele Leute wollen zuerst überlegen   oder in einem Geschäft bezahlen. So kommt es dann, dass die Konkurrenz schneller war oder man einfach nicht überzeugt hat. Ich habe mir am Anfang zu wenig von meinen Kollegen abgeschaut, wie man diese anfängliche Skepsis bei den Leuten überwindet, denn: Es ist nicht ganz einfach, Leute zu einer Sofort-Zahlung zu überreden. Ich habe deshalb auch nach der „Einschulung“ (das heißt: Mitlaufen) 1,5 Tage lang nichts verkauft. Leute müssen überzeugt werden, warum sie gerade jetzt kaufen sollen. Ich habe auch wirklich sehr viel gegeben.  Sehr oft war einfach die Konkurrenz schneller. Gerade große Gruppen sind oft sehr interessiert und die gibt es wenige bzw. sind schnell von anderen angesprochen. Mist, leider nichts gerissen, warum auch immer. Der Chef jedenfalls nach 1,5 Tagen: „Das ist nichts für dich. Du kannst heute noch in der Wohnung schlafen, aber für morgen musst du dir ein Hostel suchen.“ Ich habe viele getroffen, auch Kollegen, die freiwillig gegangen sind und sich einen schönen Urlaub machten, denn Urlaubsgefühl kommt da eher nicht auf. Ich kann es ihnen deshalb auch nicht verübeln. Andere wurden ebenfalls rausgeworfen, weil der Chef mitbekommen hat, dass man sich bei der Konkurrenz umhörte. Da wird man einfach so zur Seite genommen, dass die anderen es nicht mitbekommen und verschwindet von der Bildfläche. Es kamen und gingen permanent Promoter. Man bekommt deshalb auch sehr easy einen Job. Diejenigen, die sich für die Konkurrenz interessierten, wurden direkt auf die Straße gesetzt und mussten sich für denselben Abend noch eine Bleibe suchen. Und das war auch nicht sehr einfach dort. Die Kollegen, die viel verkauften, waren extrem offene und extrovertierte Leute. Und ohne diese Charaktereigenschaften würde ich das auch nicht versuchen. Gerade Leute, die Lust auf Abenteuer haben, kaufen – und das können diese Leute am besten vermitteln, weil sie größtenteils selber eine Party-Ausstrahlung haben. Selber nie auf der Bootstour gewesen zu sein, ist natürlich blöd, wenn man dann nicht weiß, was man eigentlich verkauft. Also nur wer weiß, dass er sehr extrovertiert ist und Leuten ein Party-Feeling vermitteln kann – für denjenigen mag das vielleicht was sein.

Tom gibt uns noch einen Ratschlag: Tipp für Leute, die auf Mallorca arbeiten wollen: Die Gastronomie sucht immer Leute. Wer sich die Mühe macht, sich vorher eine spanische Sozialversicherungsnummer zu besorgen (NIE), dürfte auch vor Ort spontan einen Job finden können.

Wer im Internet nach den Schlagworten „Ferienjob auf Mallorca“ oder „Sommerjobs“ sucht, findet eine Reihe von vermeintlich attraktiven Angeboten, die schnell klar machen, worum es bei der Arbeit als Anwerber für Veranstaltungen, als Promoter oder als ticketero / tiquetero geht: Tagsüber, nachmittags und abends die Strände und Cafés abklappern, um den internationalen Besuchern die Shows und Eintrittskarten für die Discotheken zu verkaufen. Meist kaufen die Besucher dabei eine Art Reservierungskarte, eine Anzahlung von zum Beispiel 5 Euro. Dieses Geld behält der tiquetero, während das restliche Eintrittsgeld und natürlich der Konsum in der Disco dem Veranstalter zugutekommen.

Selbstausbeuter gesucht

Die Jobs für deutschsprachige tiqueteros werden oft nicht von den Discotheken direkt, sondern über spezialisierte Agenturen vermittelt. Die Ausschreibungen findet man zum Beispiel auf Webseiten wie www.mallorcaexperten.de, www.mallorcajob.info, www.sunlife-events.de oder www.mallorcation.de.

Die Veranstalter machen keinen Hehl daraus, welchen Typus von Mitarbeiter sie suchen: Möglichst attraktive junge Leute, die gerne und durchaus aggressiv Menschen auf der Straße ansprechen und dabei keine höheren Ansprüche an den Job haben, als sich das Geld für Bett, Brot und Bier zu verdienen.

So sucht die Agentur Sunlife Events mit Sitz in Cala Ratjada für die Zeit von Mitte Mai bis Ende September „zuverlässige junge Menschen, die Interesse daran haben, unter der Sonne Mallorcas als Promoter/-in“ zu arbeiten.

Geworben wird auch damit, dass die tiqueteros nachts freien Eintritt zu den Events haben, deren Eintrittskarten sie tagsüber und abends verkaufen. Nach Aussagen des Veranstalters erhält der Mitarbeiter eine zweitägige Schulung, die vor allem darin besteht, einen Tag lang mit einem „erfahrenen ­Partyverkäufer“ herumzuziehen. In dieser Zeit verdient man vermutlich nichts. Arbeitszeit ist „durchschnittlich acht Stunden am Tag“ und „sieben Tage die Woche“.

In einem Arbeitsvertrag dürften solche Bedingungen nicht stehen. Das wäre illegal und strafrechtlich verfolgbar.

 

Wer also einen Job auf Mallorca sucht, der sollte seine Zeit nicht damit verschwenden als Promoter zu arbeiten, wenn er selbst nicht offen genug ist. Stattdessen könnt ihr versuchen euch an seriöse Reiseveranstalter zu wenden mit anständigen Arbeitsverträgen. Doch auch hier solltet ihr vorher im Netz nach Erfahrungsberichten suchen um euch den Ärger zu ersparen.

 

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